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Biberachzeller Adelsspross starb einst bei Piratenjagd
Kreisheimatpfleger auf den Spuren des Jakob Philipp von Thürheim (von Gerrit-r. Ranft)

Einem im 16. Jahrhundert fern der Heimat gestorbenen Adelsspross aus dem Weißenhorner Ortsteil Biberachzell ist Kreisheimatpfleger Horst Gaiser auf die Spur gekommen. Jakob Philipp von Thürheim starb 1564 und liegt in einem Benediktinerkloster auf der heute unbekannten, damals wohl spanischen Insel St. Paulus begraben.

„Es ist erstaunlich, wo man überall Bausteine zur Heimatgeschichte entdecken kann“, wundert sich Gaiser in seinem Beitrag zum soeben erschienenen 17. Jahrgang der „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“. In einem 1732 in Passau gedruckten Folianten findet er den Hinweis auf eine „Denkschrift“ in der Pfarrkirche zu Biberachzell zum Tod von „Jacob Philipp von Thürheim“. In der Schweizerischen Zentralbibliothek in Zürich entdeckt er Schriften, die von einem Kriegszug im Jahr 1564 berichten, an dem von Thürheim beteiligt war. Schließlich gräbt Gaiser einen Fahndungsaufruf von 1562 in den „Burgauer Mandaten“ aus, der von Thürheim gilt.

Aus diesen weit gestreuten Puzzleteilen fügt Gaiser das Schicksal des Jakob Philipp von Thürheim zusammen. Im Frühjahr 1564 verdingte er sich zu einem Kriegszug gegen die „weißen Mohren“, die als Seeräuber Gewässer und Küsten an der Spanien gegenüberliegenden afrikanischen Küste unsicher machten. Jakob Philipp trat ins Heer deutscher Landsknechte ein, das der Obrist Jakob Hannibal von Hohenems in der Vorarlberger Herrschaft Feldkirch für den spanischen König Philipp II. aufstellte. Innsbruck steuerte Teile der Ausrüstung bei. Augsburger und Biberacher Büchsenmacher lieferten Harnische und Hakenbüchsen. Bald standen 3000 wohlgerüstete Landsknechte unter dem emsischen Regiment, gegliedert in zehn Fähnlein oder Kompanien, jeweils von einem Hauptmann, einem Leutnant und einem Fähnrich geführt. Unter ihnen Fähnrich Jakob Philipp von Thürheim aus Biberachzell.

Das Regiment zog über die Alpen, wurde in La Spezia eingeschifft und fuhr längs der Küste gen Gibraltar. Die Truppe erstürmte das Seeräubernest auf der Felseninsel Penon de Velez und die ihr gegenüberliegende Stadt Gomera de Velez. Der Chronist des Feldzugs, Andreas Reichlin von Meldegg, berichtet, die Hin- und Rückreise auf den Galeeren habe vierzehn Wochen und drei Tage gedauert.

Die Rückfahrt muss entsetzlich verlaufen sein. Auf der Insel St. Paulus, an der die Flotte anlegte, „gab es weder Wein noch Brot und kein Christ vermochte dem andern zu helfen. Gar mancher musste Hungers sterben“. Mit ihnen verlor am 15. Oktober 1564 Fähnrich Jakob Philipp von Thürheim sein Leben. Die Denkschrift, die einst in der Biberachzeller Kirche an ihn erinnerte, ist verschwunden.

Jakob Philipp war Sohn des 1576 gestorbenen Biberachzeller Ortsherrn Hans Christoph von Thürheim. Dessen Grabdenkmal ist an der Nordwand der Pfarrkirche stark verwittert und nicht mehr entzifferbar erhalten. Jakob Philipps Mutter war Sibilla von Woellwarth, die am 30. August 1567 starb. Ihr Sandstein-Epitaph vom Ulmer Steinmetz Hans Schaller steht an der Südwand im Chor der Kirche, ihm gegenüber an der Nordwand der Grabstein für Margareta von Riedheim, die mit Jakob Philipps Bruder Hans Wilhalm von Thürheim verheiratet war. Dessen Grabstein befindet sich außen an der Südwand der Kirche.

Den vermutlichen Anlass zu Jakob Philipps freiwilligem Kriegsdienst hat Horst Gaiser in den „Burgauer Mandaten“ ermittelt. Dort werden unter dem 17. November 1562 Landvogt und Rentmeister von Bugau angewiesen, Hans Christoph von Thürheims Sohn Jakob gefangen zu nehmen, sobald er ihr Gebiet betrete. Der Gesuchte soll im Kloster Ursberg gewalttätig geworden sein gegen den dortigen Amtmann und zwei Diener. Verständlich, meint Gaiser, dass er sich vom Regiment Hohenems anwerben ließ.
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